Weitere Bauwerke der Hatschepsut / Fragmente

last update: 16.04.2011

Neben den eindrucksvollen Bauwerken in Deir el-Bahari und in Theben ließ Hatschepsut noch an zahlreichen anderen Orten Bauten errichten oder wieder Instand setzen. Bei einigen wurden die Arbeiten möglicherweise bereits von ihrem Vater Thutmosis I. begonnen und von ihr fortgeführt. Vor allem in den religiösen Zentren des Landes wurden Heiligtümer restauriert oder erneuert.
Diese Seite gibt vorerst eine kurze Übersicht über ihre weiteren Baumaßnahmen.


Abydos

Hatschepsut ließ hier das Heiligtum des Osiris restaurieren.


Armant (Hermonthis)

Auf Bautätigkeiten der Hatschepsut im Month-Tempel von Armant weist ein Gründungsdepot hin, das vor dem Pylon Thutmosis III. gefunden wurde.


Assuan

Die Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo, belegen Bauaktivitäten der Hatschepsut - und vermutlich ihrer direkten Vorgänger, Thutmosis I. und II. - am Tempel des Khnum, der möglicherweise komplett neu erbaut wurde. Von diesem Bauwerk sind nur wenige Blöcke erhalten, die im Fundament des ptolemäischen Khnum-Tempels verbaut worden waren.


Hermopolis

In Hermopolis wurde für den Gott Thot ein neuer Tempel errichtet.


Karnak

An der Ostseite des Amunbezirkes, da wo ihr erstes Obeliskenpaar aufgestellt worden war, baute sie ein kleines, auf die aufgehende Sonne ausgerichtetes Heiligtum.


Karnak - Tempel des Ptah

Bei den Restaurationsarbeiten am Tempel des Ptah durch das CFEETK wurden 2009 im Fundament verbaut zwei Sandsteinblöcke mit der fast vollständigen Titulatur der Hatschepsut (Thron- und Geburtsname auf einem, Horus-Name auf dem anderen Block) gefunden. Die gut erhaltenen Blöcke mit versenktem Relief gehörten vermutlich zu einem von Hatschepsut errichteten Ptah-Tempel.

Weitere, im Fundament verwendete Sandsteinblöcke in vergleichbarer Größe könnten ebenfalls zu einem solchen Tempel gehören, möglicherweise wurden bei diesen die dekorierten Seiten nicht sichtbar arrangiert.


Kom Ombou

Der Tempel von Kom Ombou wurde durch einen Torbau erweitert.


Men-nefer

In der alten Residenzstadt Men-nefer wurde der dortige Tempel des Ptah restauriert oder möglicherweise auch erweitert.


Nubien

In Nubien wurden mehrere Tempel errichtet (in Semna-West, Buhen, Dakka, Qasr Ibrim).

Bei Buhen am 2. Katarakt ließ Hatschepsut einen Horus-Tempel errichten. Beim Bau des Nasser-Staudamms von Assuan wären die Tempelreste im See versunken. Daher wurden sie abgetragen und in Karthum/Sudan neu aufgebaut (alle Fotos freundlicherweise zur Verfügung gestellt von K. Adams).


Buhen, Horus-Tempel der Hatschepsut Buhen, Horus-Tempel der Hatschepsut

Grundriss des Horus-Tempels

Fragmente
Bei bautechnischen Untersuchungen des Tempels von Merenptah (Bickel, "Tore und andere wiederverwendete Bauteile Amenophis III.", 1997) tauchten neben wiederverwendeten Bauteilen Amenophis III. auch mehrere Fragmente eines Bauwerkes der Hatschepsut auf.

Es handelt sich um insgesamt 6 beschriftete Kalksteinbruchstücke, die alle mit erhabenem Relief versehen sind und 4 unbeschriftete Fragmente.

Das Fragment (Foto aus Bickel, loc. cit., Tafel 52a, Block 94) oben zeigt einen Ausschnitt aus einem, nach links ausgerichteten Fries der Hatschepsut. Man erkennt unten die erhobenen Arme zweier Ka-Zeichen in denen sich eine Uräusschlange - mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe auf dem Haupt - aufrichtet. Vor der rechten Uräusschlange erkennt man noch einen sn-Ring (Gardiner-Zeichenliste: V9).
Bei dieser Kombination handelt es sich um eine kyptografische Schreibung des Thronnamens "Maat-ka-Ra". Über den Armen der Ka-Zeichen erkennt man oben in der Mitte einen djed-Pfeiler. (nach Bickel, 1997)

Die aufgefundenen Blöcke scheinen alle zusammenzugehören, geben aber keinerlei Auskunft, zu welchem Bauwerk der Hatschepsut sie gehört haben könnten. In Frage kommen eventuell eine Barkenstation, die irgendwo auf dem Wege zwischen Djeser djeseru und dem am Nil gelegenen Taltempel gestanden hat, der aus Kalkstein errichtete Taltempel selbst, oder sogar Djeser djeseru.

Copyright: Dr. Karl H. Leser (Iufaa)